Gossner, Johannes Evangelista - Andachten über den 1. Brief an Timotheus

1. Timotheus 4,8.

Übe dich in der Gottseligkeit, denn die leibliche Übung ist wenig nütze; aber die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nütze, und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens.

Um gottselig zu sein, musst du in Gott und Gott muss in dir sein. Die Liebe ist gewiss gottselig, denn sie bleibt in Gott und Gott bleibt in ihr. Liebe also Gott von ganzem Herzen, so wirst du gleich erfahren, was Gottseligkeit, was in Gott selig sein heiße. Suche seine Gnade und die Vergebung deiner Sünden durch deinen Heiland, oder, wenn du dieses große Gut schon empfangen hast, so bleibe in dem, der dir vergeben hat, und habe deine Lust an ihm, so wirst du unaussprechlich selig sein, eine Freude und einen Frieden genießen, den dir niemand nehmen kann. Was nun diese Freude und Seligkeit erhält und erhöht, darin musst du dich üben. Und was könnte dich denn seliger in Gott machen, als der kindliche Umgang im Geiste mit ihm, und das Leben der tätigen Liebe gegen deinen Nächsten. Gott, Christus ist die Seligkeit selbst, die Quelle aller Seligkeit; wer sich an diese Quelle von ganzem Herzen hält, sich beständig darin übt, dass er sich der Quelle nähert, darnach dürstet und verlangt, der wird auch reichlich aus ihr zu trinken bekommen, wird trunken werden von den reichen Gütern seines Hauses. Wer dann im Gefühle seiner Gottseligkeit auch andere dieser Freude teilhaftig zu machen sucht, und sie zu dieser Quelle führt, der wird noch seliger werden, indem Anderer Freude nun auch seine Freude wird, und die seinige erhöht. So hat die Gottseligkeit die Verheißung. dass sie hier und drüben den größten Gewinn verschafft, was kein Gut und Glück der Erde verschaffen kann; sie ist selig, immer selig - im Leben und im Tode, in dieser und in der zukünftigen Welt; denn nichts kann sie trennen von Gott, ihrem Urheber und ihrer Quelle.